Odile und Richard, Christine und Miguel

Welche Wege zu Begegnungen führen, das ist manchmal wirklich ganz wunderbar. Besonders auf Reisen und besonders wenn völlig ungeplante Ereignisse einen an bestimmte Orte regelrecht zu zwingen scheinen. So geschehen bei unserer Autopanne in Malargüe, Argentinien. Wir waren gezwungen, ein paar Tage dort zu bleiben, wie an anderer Stelle berichtet.

Beim Einkaufen im Supermarkt entdeckt Oliver einen Camper mit deutschem Kennzeichen auf dem Parkplatz. Am nächsten Tag gehen wir wieder (zu dritt) einkaufen, der Camper steht etwas weiter weg vom Supermarkt und Oliver möchte gerne mal guten Tag sagen. Ich ziere mich eine ganze Weile, doch schließlich machen wir uns mutig auf den Weg, die fremden Deutschen anzusprechen. Von weiter weg sehen wir einen augenscheinlich älteren Herrn aus dem Camper steigen und ich sage: „Och nee, das sind Wohnmobilrentner, da hab ich echt keine Lust drauf!“ Das Wohnmobil ist ein olivgrüner Allrad – Bremach und sieht ziemlich wildnistauglich aus. Nun sind wir aber schon so nah, da wäre es doch albern, umzukehren. Also gehen wir weiter, der Rentner ist wieder reingegangen, wir klopfen an. Es erscheint ein alter Mann, der uns freundlich anlächelt und gebrochen deutsch spricht. Er ist Elsässer, seine Frau, die bald darauf erscheint, spricht nur französisch, und wir unterhalten uns ein wenig. Die beiden sind schon länger in Südamerika unterwegs, fahren langsam und gemütlich kreuz und quer und schauen sich alles an. Wir erzählen von unserem Vorhaben, Land in Chile zu kaufen. Die beiden lächeln freundlich dazu und sie erzählt von einer Schweizerin, die sie in Südchile getroffen haben und die grade ein sehr großes Land an der argentinischen Grenze erworben hat. Auch wenn sie älter ist, die Dame ist völlig up to date und gibt mir den whatsapp – Kontakt der Schweizerin Christine. Dies geschah im Oktober.

Am 1. Dezember reisen wir zunächst zu fünft im Mazda nach Pucon, der Ford steht immer noch in Argentinien in der Werkstatt. Unsere beiden Grossen haben noch in Olmué zu tun und werden je nachdem in zwei Wochen nachkommen. Wir haben ein Treffen mit Claudio, der ein Theater in den Bergen bei Pucon bauen möchte und zu diesem Zweck Parzellen verkauft. Wir hatten auch ihn auf sehr besondere Weise kennengelernt, waren schon mal im September bei ihm gewesen…aber das ist eine andere Geschichte. Nun wollen wir entscheiden ob wir eine Parzelle bei ihm kaufen und sagen schlussendlich ab. Das bedeutet also weitersuchen. Jetzt erinnere ich mich wieder daran, dass ich noch die Nummer von dieser Christine habe und ich kontaktiere sie per whatsapp. Sie meldet sich zwei Tage später und lädt uns ein, sie zu besuchen – sie wohnt in Pucon! Wir freuen uns sehr über soviel Spontaneität und machen uns auf den Weg, es ist nicht weit. Christine wohnt in einem echten schönen Haus und nun sitzen wir also mit ihr und ihrem Partner Miguel im Garten und erzählen von unseren Plänen.

Die beiden haben einen Fundo mit gut 1000 Hektar gekauft und haben viel vor. Doch könnte es vielleicht auch Platz für andere geben, deutet Miguel an. Wir kommen zu dem Schluss, dass es eine gute Sache wäre, den Fundo zu besuchen. Während des Sommers muss viel getan werden und Christine und Miguel verbringen den Grossteil ihrer Zeit jetzt dort.

Wir sagen unsern Grossen Bescheid, dass sie sich auf den Weg nach Pucon machen sollen, damit wir dann alle zusammen den Fundo anschauen können und sehen, was die Vorhaben von Christine und Miguel mit uns zu tun haben könnten.

Mitte Dezember geht’s dann los von Pucon nach Liquine. Wir folgen der Wegbeschreibung, die Chritine per whatsapp geschickt hat und landen nach einer sehr geschotterten Fahrt bei ihrem Haus am, so scheint es fast, Ende der Welt.

Und als wir vorfahren, wer steht da?

Das Wohnmobil kommt uns seltsam vertraut vor, so olivgrün und wildnistauglich…

Es folgt eine friedliche gemeinsame Woche in den Bergen, Christine und Miguel beherbergen uns, Odile und Richard wohnen in ihrem Camper und wir kochen jeden Tag gemeinsam, reden und geniessen die Natur. Wir erfahren, dass Odile und Richard seit 34 Jahren im Wohnmobil wohnen, Richard war als Monteur und Schlosser auf Baustellen in Europa unterwegs, begleitet von Odile und ihren zwei Kindern, die dann jeweils vor Ort die Schule besuchten. Mittags stand Odile dann mit dem Mittagessen im Camper vor dem Schulportal….abends wurde Richard von der Baustelle abgeholt. Überhaupt ist es Odile, die fährt und sich mit der Technik auskennt, was immer wieder und überall zu Irritationen führt.

Nun verbringen die beiden die Zeit damit, jeden Winkel von Chile und Argentinien kennenzulernen, abseits der ausgetretenen Pfade.

Christine und Miguel suchen für Liquine Partner auf der Basis von bis zu 50% (500 ha), wir wollen eigentlich nur 5 Hektar und das möglichst nah der Strasse, da wo die Weideflächen sind. So kommen wir dann doch nicht zusammen und ziehen am 23. Dezember weiter. Auch Odile und Richard sind aufgebrochen, wir haben in etwa das gleiche Ziel, Chiloe, doch werden wir sie nicht noch einmal treffen…aber der Eindruck, den besonders diese beiden auf uns gemacht haben, bleibt!