Nach Europa

Wir sind am 9. April frühmorgens von Quebrada Alvarado aufgebrochen. Unsere Freunde Claudio und Vitalia bringen uns nach Santiago zum Flughafen. Ein Kreis schliesst sich mit diesen beiden, die uns vor bald 9 Monaten unbekannt vom Flughafen und mitten ins chilenische Leben geholt hatten. Letzte wehmütige Blicke aus dem Fenster von Claudios rumpeligem Kleinbus auf die Dormida und über den Nebel hinweg nach Westen, dann wieder Wüstenlandschaft bis Santiago.

Am Flughafen Menschenschlangen, Streik und schließlich die Mitteilung, dass der Flug ausfällt. Iberia Airlines hat uns im Crowne Plaza in Santiago untergebracht, von wo wir am nächsten Morgen wieder zum Flughafen gefahren werden. Eine Abreise mit Hindernissen, ein Abschied auf ungewisse Zeit, der nicht leicht fällt.

 

Wir haben uns entschieden, nach Europa zu reisen, mit etwas mulmigem Gefühl. Nach Deutschland wollen wir nicht mehr, soviel ist sicher. Zumindest einige von uns nicht. Was wir aus der Ferne gelesen und gehört haben über die Entwicklungen in Europa, macht uns Sorgen.

Wir haben in Chile nicht wirklich etwas gefunden, was einen längeren Aufenthalt in diesem sehr teuren Land sinnvoll erscheinen lässt, abgesehen von der ergreifenden Schönheit der Natur, der friedlichen und angstfreien Stimmung der Menschen, dem vielen Freiraum für die eigene Lebensgestaltung (Kapital ist von Vorteil) und einigen Freunden, die wir sehr ins Herz geschlossen haben.

So fliegen wir also via Madrid nach Lissabon und von da aus fahren wir mit dem Bus an die Algarve zu Franz und Gela, wo unser VW Bus vor sich hin rostet. Wir werden unser Zeugs einsammeln, sehen was die alten Freunde so vorhaben und uns in Richtung Italien bewegen, wo wir nach einem Standort suchen werden. Das ist der grobe Plan. Die Gespräche mit Franz und Gela sind interessant, Möglichkeiten tun sich auf.

Europa vom phlegmatischen, nicht mehr so depressiven Portugal her zu betreten ist eine sehr gute Entscheidung gewesen, es fühlt sich an als bewege man sich von dorther, wo noch viel Luft und Licht ist, nach Norden langsam und vorsichtig in die Tristesse dieses im Überfluss seelisch verhungernden Kontinents hinein.

Spanien ist unsere nächste Station, drei Tage bei Freunden nahe Valencia und dann mit dem Schiff nach Mallorca. Mallorca ist meine eigene Geschichte, hier begann ich meine Erdenreise; Familienwiedersehen nach über dreißig Jahren, wir lernen viele nette spanische Menschen kennen, mit denen wir verwandt sind.

Und wir sind plötzlich wieder überall von Deutschen umgeben. Hören überall fast nur noch Deutsch, in jedem Supermarkt, am Strand, im Bus, beim Spazieren, einfach überall. Das ist eine große Umstellung, wenn man von Lateinamerika kommt, wo außer Spanisch bzw. Portugiesisch gar nichts gesprochen wird. Und eine ganz andere Stimmung.

Auch hier kommen uns einige interessante Möglichkeiten entgegen, auch wenn sich das Inselleben insgesamt für uns nicht so toll anfühlt. Wir sammeln unsere Eindrücke. In drei Tagen geht’s weiter nach Norditalien…