Kriminalität in Chile, gibts die?

Sicher gibts die – wo nicht?

Man kann ja bei einschlägigen Regierungsseiten (Auswaertiges Amt, ect …) viele gefährliche Dinge über die  meisten schönen Länder dieser Welt lesen, so auch über Chile. Von weit weg hat man dann schon Sorgen, da oder dorthin zu reisen.

Hier meine ganz subjektiven Gedanken und Erfahrungen über Gefahren in Chile, (ausgenommen Santiago-da war ich viel zu selten).

 

Chile ist ein Land, in dem man sich nach einer Weile fragt ob es hier überhaupt Gefängnisse gibt und wozu denn wohl die Polizei so gebraucht wird. Es ist ein unglaublich friedliches Land! Wow!

Wie kommt das? So nach und nach kommen wir zu dem Ergebnis: es fehlt nahezu vollständig der Eros.

Nicht nur im triebhaften Sinne: als Schüler (1986) auf dem Schulweg in Salzburg kamen wir an mindestens 4 Sexshops und verschieden Bordellen vorbei. In Europa eigentlich ganz normal.

In Chile sieht man keinen käuflichen Sex, kein Puff, keine Nutten, keinen Sexshop, keine Werbung mit solchen Anspielungen, nichts! Das ist bemerkenswert!  (Anmerkung von Jemanden: Es gibt schon welche, sehr versteckt, aber es gibt sie)

 

Man hat aber auch nicht das Gefühl es fehlt, man hat das Gefühl, niemand braucht das, alles ist ganz entspannt! Und es fällt auf.

Wir sind auch zu jeder Tages – oder Nachtzeit durch alle Gegenden gelaufen, alles entspannt. (Wieder Anmerkung: man hört von diesem und jenem, da oder dort sollte man Nachts aber nicht lang laufen wegen Raubüberfaellen…aber nix Konkretes)

 

Aber eben auch auf der künstlerischen Ebene macht sich diese „Entspannung“, das Fehlen des Eros bemerkbar, es gibt kaum Kunst, es gibt wenig Künstler , es gibt kaum Geschmack, es wird auch fast nichts geschätzt, was mit Kunst oder Schönheit zu tun hat. Das fängt mit dem Essen an, wir haben noch nie so schlecht gegessen und so schlechte Essensqualität zu kaufen bekommen wie hier. Zu Schweizer Preisen! Es geht weiter mit einem unsäglichen „Musik“ Geschmack und beim Lieblingsvolkstanz der Chilenen, den Taschentuchtanz.

Schliesslich zeigt es sich bei den „Häusern“ und fast vollständigem Fehlen von Skulpturen oder Kunstwerken im ganzen Land (In Santiago gibts natürlich das ein oder andere) und beim fehlenden Körperbewusstsein vieler vieler dicker Chilenen.

Wer wohnt denn so? 50 Häuschen a 60m² mit ohne Garten für ca.60,000,-€.

Aber mit Stacheldraht drum rum.

 Stacheldraht!? Also doch nicht so entspannt?

Sehr viele Häuser sind mit Stacheldraht/Natodraht oder ähnlichen Dingen gesichert. (Je ländlicher, desto weniger!) Am Anfang dachten wir, wow, das ist ja sicher sehr gefährlich hier, auf Nachfrage meinte unsere Freundin Vitalia, nee braucht man eigentlich nicht…

Es ist hier mit der Kriminalität so: man sieht sie nicht, oder nicht gleich, sie kommt ganz sanft und unerwartet und völlig offen und doch ganz versteckt. Du wirst hier sicher nicht überfallen oder auf der Strasse beraubt, keiner schreibt falsche Rechnungen, du wirst nicht angepoebelt, es gibt keine Schlägereien, jedes Mädchen kann Nachts alleine rumlaufen….   (Wieder Anmerkung: Hier kommt es wohl auch auf das Alter an, Jugendliche haben da andere Erfahrungen. Insgesammt ist es aber trotzdem viel viel ruhiger als in einer deutschen oder schweizer Kleinstadt.)

 

…ABER, genau, jetzt kommt es: du wirst fast von jedem mit einem Lächeln belogen, die Preise werden in sekundenschnelle dem Kunden angepasst, die Miete erhöht wenn du schon eingezogen bist, du bezahlst Nebenkosten für alle Nachbarn, du wirst auf eine nette Art ausgeraubt.

Es gibt keine Gegend, in der nicht freundliche Holzdiebe und Viehdiebe auf Schleichwegen unterwegs sind. Im Süden, wo die wunderbaren Bäume wohnen, blüht ein riesiger Schwarzmarkt fuer Natives Holz. Wer etwas genauer sucht, entdeckt hier wie dort ein Netz von geheimen Wegen. Hier in der V. Region, werden gerne Avocados geklaut. Bei Freunden von uns , die eine Demeter Finca haben, in einer Nacht über tausend Kilo, über hohe Mauern, neben dem Wohnhaus! (Eine tolle logistische Leistung und ein Schaden von ca. 2 Millionen Pesos~2500,- €. ) Oder ein schöner Hund, auch da nehmen es die Leute nicht so genau mit mein und dein. Wie bei unserem, der verschwunden ist.

In den Bergen, wo wir grade wohnen, steigen Nachts auf schönen Pferden die finster dreinblickenden Huasos, die chilenischen Cowboys in die Berge zu ihren zwei Alibi – Kühen und ihrem heimlichen Hanfanbau, und Schmuggelwegen, alles ganz entspannt… ich würde aber nicht versuchen wollen, denen in die Quere zu kommen, obs dann immer noch entspannt ist?

Bei allen Grundstücken, die zum Kauf angeboten werden, versucht dich jemand übers Ohr zu hauen. Wir haben sicher 30-40 Grundstücke mit und ohne Makler angeschaut, es gab nicht eines das man hätte ohne Anwalt kaufen können. Angefangen von  gibt es das Grundstück überhaupt?, über wer ist der Besitzer?, bis hin zu völlig falschen Grundstücksgrenzen und erfundenen Rechten an Wasser oder Wegen. Also aufpassen, wer in Chile gerne etwas kaufen möchte und die schönen Angebote im Internet sieht, es ist alles gelogen!

Wenn man das mal weiss, kann man natürlich trotzdem was kaufen, man muss eben die Geduld haben, alles von den Lügengeschichten zu befreien. Ob man am Ende das Grundstück noch haben will…. wer weiss 🙂

Dann gibts natürlich die Wirtschaftskriminalitaet, auf die will ich hier nicht näher eingehen, nur anmerken, viele Internationale Firmen sind hier schwer kriminell und verkaufen das ohne schlechtes Gewissen. z.B.  die riesigen Kahlschläge im ganzen Land, da gibt es so weit das Auge reicht, zig tausende Hektare keinen Baum mehr nur noch Ödland. Diese Abholzungen werden mit Eukalyptus und Pinie Oregon (Kiefer) wieder bepflanzt. In dieser Größenordnung hat das klimatische Auswirkungen, es regnet viel weniger, die Bäche versiegen; das Wasser, auch Trinkwasser wird knapp, zum Teil wächst auch das Zeug, das sie gepflanzt haben nicht mehr, eine Landschaft verwüstet, verödet! Das wird mit dem Siegel „aus nachhaltiger Forstwirtschaft“ in Europa verkauft! Kriminell! Noch schlimmer sind sämtliche Minenbetreiber vorwiegend im Norden. Die leiten ihre hochgiftigen Abwässer direkt ins Meer (haben wir gesehen) , oder verbrauchen/verdampfen die spärlichen Reste Wasser. Hoch Kriminell!! (Siehe Titelbild; das ist in der Wüste fotografiert, da gibt es eigentlich kein Wasser?! Aber wie man auf dem Bild sieht eben doch!)

Dann noch all diese „normalen“ Dinge wie Ladendiebstähle, die anscheinend zum Volkssport gehören, da jeder Mini-Laden einen Security beschäftigt und alles doppelt und dreifach mit elektronischen Fesseln gesichert ist. In jedem Supermarkt schleichen zig Wachleute auf und ab, oder kucken dir plötzlich über die Schultern. Wenn sie dann einen erwischen, ist das nicht ganz so entspannt wie in D. Es wird natürlich versucht, kein Aufsehen zu erregen, aber da gibts keine Scham beim Zupacken. Zwei junge Securitymännner pressen dem vor Empörung und Schmerz schreiendem Mädchen die Hände auf den Rücken und halb tragend halb ziehend schleppen sie sie irgendwohin…. und doch wirkt es irgendwie entspannt, das Ganze. Wirkt so, ob es auch so ist, ich weiß es nicht.

Naja und die Gefängnisse? Ein oder zwei haben wir gesehn. (Wir sind fast das ganze Land abgefahren).

Wer da wohl drinnen ist?

Chile ist ein super schönes und entspanntes Land, mit einer Natur, die oftmals an einen Paradieses Zustand erinnert. Mit Bewohnern, die durchwegs freundlich sind, mit vielen Schleichwegen und Geschichten, die nicht ganz der Wirklichkeit entsprechen.

Niemand muss sich hier fürchten, höchstens vor schlechtem Geschmack.

p.s. 2 Tage nach diesem Artikel, am Sonntag, bei der Besichtigung einer weiteren chilenischen Hässlichkeit, wird bei unserm Auto an der Straße zwischen Concon und Ritoque die Scheibe eingeschlagen, das Schloss an der Fahrertür zerstört und unser Badetasche und der Ausweis (Pass) von Luisa gestohlen. Schaden ca. 700,- € plus Zeit für Behördengänge!

Muss ich den Artikel jetzt noch mal neu schreiben? Nein ich denke der Kern bleibt davon unberührt, das hier alles geklaut wird was irgendwie möglich ist war ja gesagt worden, und das es dabei entspannt bleibt… 🙂

Naja wir waren nicht soooo entspannt!

Und was denn schlechten Geschmack angeht; das haben wir da nochmals verifizieren können, es ist wirklich zum Fürchten!!!!