freundesland bahia, dies und das

…anlässlich des heutigen tropenregentages (die strasse ist schon so voll wasser, das wir grade nicht fahren können, das wird auch für eine woche so bleiben, wie sich später zeigt) versuche ich mal einige sachen über brasilien, bzw. canavieiras zu schreiben, die interessant für eine eventuelle auswanderung oder längeren aufenthalt sein könnten.

ich schreibe aber nicht systematisch oder so, sondern mehr was mir grade in den sinn kommt.

bahia: ein sehr grosser bundesstaat brasiliens, mit wunderschöner küste. bahia gilt als arm, die bevölkerung ist überwiegend von afrikanern abstammend. das ganze flair ist afrikanisch, bahia ist sozusagen das afrika brasiliens. nur insgesamt friedlicher.

canavieiras: eine gemütliche kleinstadt (30.000 einwohner) an einer flussmündung gelegen, mit der vorgelagerten insel atalaia, einer riesigen sandbank mit ca 18 km länge, die durch eine brücke mit der stadt verbunden ist. die hafengegend am fluss ist sehr malerisch, mit zum teil renovierten gebäuden aus der jahrhundertwende (19./20. jh.) als bahia noch im kakaogoldrausch war. jetzt ist der ort an vielen ecken baufällig.

aber die stadt ist echt nicht vergleichbar mit europäischen städten, mein erster eindruck war, ich bin in einem slum gelandet, auf fotos (wenn ich schaffe welche zu machen) wird es aber durchaus malerisch aussehen. häuser sind hier nicht so wichtig, das leben findet viel im freien statt.

es gibt wenig ärtzliche versorgung, auch kein krankenhaus – also gesund sein ist hier die devise! 🙂

grundstückspreise: auf dem land hier kostet der ha so ca. 4500-5000,- reais (ca.1500,-€) kleine stücke sind aber schwerer zu bekommen als grosse. aktuell gibt es andreas, einen schweizer seebär der auch als sozialpädagoge auf segelschiffen unterwegs war, der sich eine fazenda mit ca. 140 ha gekauft hat und durchaus kleine stücke abgeben würde. ab einem ha. die fazenda liegt etwa 20 km von canavieiras entfernt. aber das land, das er anbieten kann, ist einfach- bisschen steiler hügel, bisschen sumpfland. vorteil, man kann eine gemeinschaft bilden und hat einen zuverlässigen partner. ein deutscher biologe, markus, hat sich neben ihm auch ein kleines grundstück gekauft, wo er aras züchten will und einen botanischen garten anlegen möchte. der würde sich auch über interessante nachbarn freuen!

toll: auf der eigenen fazenda kann man bauen was und wie man will, keine baugenehmigung nötig!

wichtige info für den farmkaufinteressenten: landnahme (da kommen leute auf ein stück land das ihnen gefällt, machen einen weg, ein haus, einen zaun und schwups wohnen die da und bald gehört es ihnen auch) das ist üblich und wird staatlich auf jeden fall geduldet, also immer bewachen, sonst ist es schneller weg als man kucken kann 🙂

grundstückssteuer auf dem land liegt bei 2%, am besten kauft man mit einer eigenen firma.

in der stadt kosten die häuser ab 80 000,- reais (24 000,-€) in der etwas schöneren ecke (am hafen) denke ich muss man mit ca. 250 000,- reais rechnen. (in der stadt gibt es keine landnahmen 🙂

die urbanen grundstückspreise auf der insel atalaia (wo unser ferienhaus steht): land war bei so 17-20 ,- reais pro m², es gibt aber nicht mehr viele grundstücke, die unbebaut sind. es gibt aber einige häuser die zum verkauf stehn. hab noch keine preis infos eingeholt. (nachtrag preisinfo: ein nachbarhaus war im internet für 1,2,- mio. euro! hahah, und das meer ist noch 20m vom haus entfernt)  (grundstückssteuer in der stadt und am strand liegt bei 22%)

schön hier ist, du hast bei den meisten grundstücken eigenen strandzugang. es ist eine sichere gegend ( es braucht keine mauern, normaler zaun und eventuell ein hund reicht völlig) und es ist von natur umgeben, der strand ist so sauber wie selten.

kritisch ist: das meer nagt an den grundstücken, also man muss befestigen oder man stellt sich darauf ein, es nicht ewig zu haben.(20 Jahre:-)

vor ca. 25 jahren war die halbinsel noch 200m breiter! es könnte also sein sie verschwindet ganz in den nächsten 10-15 jahren oder es gibt eine umkehrung und sie wächst wieder…

das wasser hier hat nicht die schöne blaue farbe, die man sich wünscht – die insel wurde ja durch zwei flussmündungen gebildet, so das es immer sand oder schwebteilchen- eintrag hat-also die wasserfarbe ist meistens braun. (trotz der braunen farbe ist das wasser gut, also fast zum trinken geeignet) im sommer gibt es auch zeiten mit blauem wasser. gewöhnungsbedürftig ist auch das rauschen des meeres – laut, laut, laut, (wie neben einer autobahn) aber die leute die hier wohnen mögen es.

dann; es wohnen vorwiegend schweizer und deutsche auf dem inselteil, auf dem wir sind – das hat vor- und nachteile. einige der deutschen hier liegen im streit miteinander 🙂 das nimmt „lustige“ formen an, z.b. der eine hat ein hunderudel das er immer frei rum laufen lässst, weil der andere gerne am strand joggt. (leider hat das hunderudel auch unsere kinder angefallen und es war sehr knapp das sie nicht gebissen wurden) dafür zündet der andere dann um 4 uhr morgens böller, und oder stellt scheinwerfer auf die nur zu seinem nachbarn gerichtet sind, usw. ein klein krieg also.

witzig auch: das haus in dem wir wohnen, war in deutschem besitz. diese besitzer haben sich aber  mit dem nachbarn verkracht, weil dieser immer nackt auf seiner terasse rumlief und sie ihn von dem haus aus sehn konnten-mussten. die bitte an ihn sich doch was über zuziehen hat er mit der begründung, das ist sein paradies, da macht er was er will, abgetan. nun gehört es einem schweizer der aber in sao paulo wohnt und es verkaufen will.

wetter: das meer hat hier im winter (jetzt) so 20-23°, im sommer wahrscheinlich so 28°. man kann ziehmlich gefahrlos baden, aber nicht rausschwimmen. auch surfen oder so ist cool.

die lufttemperaturen sind momentan nachts bei ca 18-22°C tagsüber so 22-28°C je nach wetter. es regnet im winter (also mai, juni, juli, eventuell auch august) mehr als im sommer – laut irgendeiner statistik im juni 19 regentage – was aber nicht heisst es regenet 19 tage, es kann auch nachts regnen und tagsüber warm (bzw. heiss) sein. maximal 4 tage am stück.

der märz ist die insektenreichste zeit, uns reichen aber die mücken im mai auch schon.

im sommer kann es schon richtig warm werden-aber nicht über 36°C ,es kühlt nachts nicht mehr richtig ab; 28°.

insgesamt ist es aber ein angenehmes klima, es gibt momentan kaum schwüle oder drückende tage.

telefon und internet; mobilfunk ist ausgebaut und funktioniert im umkreis der stadt gut; internet verbindung ist wie im mittelalter: 20 mb download dauert ca 1 stunde! wenn man eine fix leitung hat gehts etwas schneller.

CPF: wenn man länger hier sein möchte braucht man eine CPF (brasilianische steuernummer). für eigentlich fast alles braucht man diese nummer, also auch für eine sim- karte oder internet, für autokauf ect. sowieso! die CPF bekommt man aber auch als tourist.

lustig in diesem zusammenhang ist auch die aufenthaltsbewilligung; offiziell darf man ja 3 monate in 6 monaten da sein, ABER wer länger bleibt dem passiert auch nicht viel 🙂 es gibt lediglich eine strafe von 8 reais für jeden überzogenen tag bei der wiedereinreise 🙂 max. aber 800 reais.

oder wer länger bleiben will; eben möglichst am anfang diese CPF sich holen (wo muss ich noch nachfragen) und mit hilfe dieser CPF sachen kaufen, rechnungen bezahlen ect…. denn nach jeder wahl gibt es amnestien für alle „illegalen“ die länger als ein jahr in brasilien wohnen und das belegen können 😉 (kann man am besten belegen mit dieser CPF:-)

stadtleben: für uns ist alles SEHR fremd, aber es gibt sehr nette leute die sehr hilfbereit sind. wir haben in dieser kurzen zeit doch schon einige sachen gesehn, dank unserem privaten stadtführer haben wir schon den capoeira kursfür kinder und jugendliche – eine privatschule, die durch eine stiftung finanziert wird – einen metall u. alu kunsthandwerker, den flughafen (der nicht in betrieb ist) usw, besucht – das heisst ,man lernt einige leute der stadt kennen, die man dann bald überall wieder sieht 🙂 netzwerke sind hier sehr wichtig, fast alles läuft über mund zu ohr-es gibt wenig übers internet. (noch!?)

besonders toll ist: jeder kann verkaufen was er will! solange er keinen laden hat.

z.b. gibt es an einigen ecken den berühmten „bahia burger“ caragena (leckere sache mit crevetten, gebackenen broten, cremen, salat, ect) da steht dann eine frau oder ein mann mit einem wägelchen oder so, an der strasse, zum teil mit stühlen und verkauft die burger für 3,50,- reais. und da ist dann echt betrieb. gut verdaulich ist das ganze nicht, leider sind die rohstoffe grossteils von sehr schlechter qualität, vermutlich ist fast überall gensoja drin. hier erfährt man, was europa bevorsteht wenn ttip o.ä. durchkommt…

bruno, unser freund vom oi shop, sagt wenn du eine gute sache machst brauchst du nicht mal dich irgendwo hin stellen, sonder die leute rufen dich an und es brummt.

ich denke man kann hier richtig gut geld verdienen mit verschieden sachen, die leute kaufen gerne, es muss einfach im hiesigen niedrigen preisniveau sein.

und die menschen lieben gute sachen und zahlen auch mehr für bessere produkte. obwohl der mindestlohn bei 600,- reais (ca. 180 euro) liegt. viele leben auf pump.

preisbeispiele: 1kilo mango 3,50-4 reais, 1kilo bananen 1-3 reais, 1 kilo papaias 2-4 reais, milch 2 reais pro liter, ect. alles konventionell angebaut, bzw. von kleinbauern-wenn die qualität gut, oder besser ist kann man sicher 1-2 reais ( 30 – 60 eurocent) pro kilo mehr nehmen. (und es wächst alles, wirklich alles und keiner baut was an!!!!)

handys und notebooks oder so sachen sind im verhältnis zum einkommen sehr teuer, aber nicht teurer als in portugal. z.b. neues smartphone von lg ca. 550,-. reais

led lichter, lampen sind hier z.b. noch nicht bekannt, vielleicht eine marktlücke?! (dafür verkaufen sie die energiesparlampen die in europa verboten sind 🙂

autos sind teuer, teurer als in DE, dafür gibt es lauter „oldtimer“ z.b. vw bulli, oder vw käfer, oder ford lastwagen-irgendwie cool, und es gibt so roller für die man weder nummer noch führerschein braucht.

polizei, hat es viel und scheinbar überall, dick gepanzert mit schusssicheren westen stehn die blauen rum, noch mehr gepanzert und mit waffen ausgestattet fahren die braunen rum, und noch mal andere stehn als verkehrspolizei am stadt ausgang, inkl. bodenschwellen (wirkt wie ein grenzübergang)

für den alltag bedeutet das, solange man auf der insel und in der stadt unterwegs ist gibt es KEINE verkehrsregeln 🙂 naja oder sagen wir mal wenige, nie anschnallen, die autos können in egal welchen zustand sein, man kann zu siebt in einem kleinwagen gequetscht sitzen usw.

und es ist recht gut bewacht. anfänglich denkt man, oder wir, oh mann was für ein polizeistaat, aber wenn man ne weile da ist sieht man doch die notwendigkeit, die menschen sind in der regel sehr freundlich, aber sie kochen schnell hoch und viele haben das alltags werkzeug, die machete immer umgehängt! die bekommt man in jedem supermarkt für ca. 20 ,- reais, wir haben auch gleich eine gekauft.

auffällig ist, dass die leute sich (und uns) sehr viel mehr anschauen als in europa. man sieht viel weniger jugendliche auf smartphones starrend durch die gegend laufen ), dafür insgesamt viel mehr blickkontakt. die auswanderer erkennt man meist daran, dass sie stur gradeaus kucken.

wir haben öfter gehört, die menschen hier seien immer freundlich, fröhlich, sängen und tanzten immer… also das haben wir nicht so erlebt. oftmals sieht man gesichter mit harten blicken, die aber meist schnell freundlich werden, wenn man selber freundlich ist. im ort canavieiras werden die hauptstrassen fast den ganzen tag beschallt, da singt dann keiner mehr, und tanzen haben wir bisher noch gar niemanden gesehen, ausser natürlich in den capoeirastunden! da geht dann die post ab!

besonders wichtig ist, wie überall, dass man die landessprache spricht. mit englisch kommt man nicht weit, mit spanisch vielleicht etwas weiter, aber um portugiesisch kommt man hier nicht herum!

religion: hier herrschen jesus und mammon. jesus ist in aller munde, überall im dorf gibt es kleine zusammenkunftsorte von allen möglichen christlichen sekten/freikirchen… jeder ist irgendwo dabei. insgesamt katholisch geprägt. fischerboote heissen mit vorliebe „bom jesus“ oder irgendwas mit „virgem“.

ansonsten scheint der turbokapitalismus die hauptreligion zu sein. neben der

bürokratie:

wahnsinn! brasilien gehört zu den sehr bürokratischen ländern, für alles braucht man eine genehmigung! z.b. fürs boot fahren auf dem fluss hier, ausser man rudert. fürs baumfällen, fürs kiesabbauen auf dem eigenem grundstück usw.

ABER, es ist wie überall, wenn es zu viel wird, finden die menschen immer wege…also der bootsschein sieht dann so aus; ein fragebogen, bei dessen ausfüllen einem hier vor ort die beamten helfen und schon hat man den schein; oder eben die erwähnten verkaufsmöglichkeiten. wenn man einheimische frägt ist alles gar nicht so schwierig 🙂

essen; das essen, bzw die qualität des essens ist für den auswahl gewöhnten europäer….sagen wir mal schwierig! wer billigdiscounter gewöhnt ist der hat keine oder wenig umstellungsprobleme 🙂

wir essen seit 20 jahren zu 99% bio produkte ( das 1% ergibt sich durchs auswärts essen). nicht nur wegen des besseren geschmacks und der gesundheit sondern weil wir gegen landvergiftung und schwere schädigung durch konventionelle landwirtschaft sind. ich will jetzt nicht weiter über die zerstörung der welt durch „lebensmittel“ konzerne schreiben – da werde ich richtig wild – sondern über unsere schwierigkeiten, hier gutes essen zu finden. hier essen wir zu 100% konventionell und fühlen uns auch so :-$

das angebot hier ist eine mischung aus billig food und zum kleinen teil gute sachen aus der region. viele grundnahrungsmittel (hier soja, mais, getreidemehl, maniok, bohnen) werden auf unvorstellbar grossen flächen (fazendas mit 1 million ha ist normal!!!!!) gentechnisch verändert angebaut und ob es tier futter oder für den menschen gedacht ist, unterscheidet nur die verpackung und der preis. obst und gemüse kommen auch eher aus der riesenproduktion. es gibt dazwischen aber z.b. bananen die klein, so 10 cm lang, schon halb braun beim kauf sind, mit einem unvergleichlichen aroma-wo man annehmen kann die sind unbehandelt.

auch das fleisch scheint aus der region zu sein, die kühe stehn das ganze jahr auf der weide und aus kostengründen werden sie vermutlich kein zusatzfutter bekommen.

die hühnchen allerdings riechen ausgiebig nach chlor, aber das gibts in europa möglicherweise auch bald 🙁

ein lichtblick sind die in kleinen tüten abgepackten tiefgefrorenen fruchtmarke, aus vielen früchten wie z.b. cacau, graviola, manga, jenipapo, acai, caju-alles 100% natur- sagt aber nichts über die anbaumethode – aber sie sind lecker! und voller vitamine!