Extreme Härte

Nach unserer Woche im Umland von Barcelona sind wir am 28.03. in Richtung Algarve nach Portugal gereist. Unsere Fahrt von knapp 1300 km wollten wir an einem Tag bewältigen, weil wir vor 12 Jahren schon einmal durch Spanien gereist waren. Es ist nicht so, dass wir uns beim Reisen schnell langweilen; aber Spanien jenseits der Küste ist eine Sache für sich….
Spanien, da wo keine Touristen sind, ist vor allem eins: die extreme Härte. Die Estremadura ist zwar nur ein Teil von Spanien, aber sie steht für mich für das Ganze. Hier versteht man die spanischen Exportschlager Conquista und Inquisition, hier versteht man, warum Franco, einer der letzten europäischen faschistischen Diktatoren, 1973 sanft entschlummern durfte. Hier herrscht Gnadenlosigkeit, die sich in einem letzten Akt gegen dasjenige wendet, was von Spanischer Grösse übriggeblieben ist: das „eigene“ Land.
Gnadenlos steht die Sonne an diesem Märztag am Himmel, gnadenlos dörrt sie ein Land, das zu Gunsten der EU-Produktionspläne und Subventionen die alten ländlichen Strukturen wie Dörfer, Brunnen, Hecken und Haine gnadenlos mit Schubraupen planiert hat. Entlang der Autobahn, für mehr als hundert Kilometer, ringsum bis zum Horizont: Olivenbäume. In Andalusien dann: Weizen, so weit das Auge reicht. Kolchosen der „freien“ Marktwirtschaft. Dazwischen: Maschinenhallen, Ölraffinerien. Auf der ganzen Fahrt über Land haben wir insgesamt sechs Menschen gesehen, die irgendwo gingen oder standen. Eine Computerlandschaft. Darüber der Pestizidgeruch der Verwesung. Hier wird mit Stumpf und Stiel ausgerottet, was im Weg ist. Mauren, Indianer, Ketzer, Dörfer, Unkraut… keine Gnade. Zurueck bleibt: Wüste.

 

Oliven Monokultur in Spanien
Weizen Monokultur Spanien

Also sind wir, vom Land inspiriert, tatsächlich durchgefahren, mit kaputtem Turbo (was bergauf vollbeladen beinahe schieben heisst 🙂 )

fünfzehn Stunden, aber eben: Extreme Härte.