Ein paar Wochen im Süden Chiles

…fast täglich ein anderer Zeltplatz, immer „wild camping“.

Über drei Wochen fahren wir durch den Süden Chiles, Pucon bis Chiloe, aber die aktiven Vulkane (Villarica (2847m), Llaima (3125m)) sind der Magnet.

Diesmal, da unser Ford immer noch mit Motorschaden in Argentinien steht, haben wir uns zu siebt plus Hund in den Offroad- Mazda gestopft und entdecken auf abenteuerlichen Wegen den grünen kühlen staubigen Süden.

„Wild camping“:  jeden Tag einen Platz suchen – der ruhig gelegen ist, möglichst frei zugänglich, vielleicht mit Wasser, guter Aussicht, Platz für mindestens zwei grosse Zelte… ja gar nicht so einfach. Chile ist statistisch recht dünn besiedelt, aber es gibt kaum eine Ecke wo nicht ein Zaun steht, oder ein Holzdieb unterwegs ist. Manchmal suchen wir Stunden, natürlich lieben wir „das hinter der nächsten Kurve“, so ist es meistens okay… aber es gibt dreimal die Situation wo wir im Dunkeln und sehr müde das Gefühl haben nichts zu finden. Einmal ist es in der Küstenregion bei Temuco, es gibt keine grossen Fundos (Landgüter die hier im Süden oft mehrer tausend Hektare umfassen) , sondern sehr viel kleine Landwirtschaften und Mapuche Gebiete, also überall Zäune und Leute. Wir entdecken genervt und müde einen kleinen Eukaliptuswald; der nicht eingezäunt ist und fahren 200m rein. Im Scheinwerferlicht räumen wir den Boden frei, zum einen für die Zelte, zum andern sind Eukaliptuszweige wegen der Öle hochentzündlich und wir haben unsere Feuerschale zum kochen. nachdem alles aufgebaut ist und wir ums Feuer stehen, hören wir Rufe und Taschenlampen leuchten durch den Wald…na toll, denken wir, jetzt kommt auch noch jemand. Bald steht auch ein besorgter Besitzer vor uns, halb verwundert halb verärgert, ob wir denn Erlaubnis haben hier zu sein. Nein, wozu auch, ist ja offen und spät… nach dem er hört wir sind Deutsche (die sind in Chile besonders angesehn) und keine Viehdiebe, ist er schon entspannt und wir zelten mit seiner Zustimmung. Die Nacht ist durchzogen vom dichten Duft der Eukalipten und einer ungewöhnlichen Kälte (4 Grad). Wir schlafen aber gut.

Chiloe stellt sich für uns ähnlich dar, es gibt nur Zäune und hunderte riesige Antennen. Wir fahren drei Tage kreuz und quer die Insel ab, es ist extrem schwierig einen Platz zu finden, aber es klappt dann doch. Einmal fahren wir in eine verlassene Weide, einmal finden wir Platz auf einem alten Weg. So ist Chiloe für uns nicht magisch und wir bleiben nur zweieinhalb Tage.

Schon anfangs lernen wir, das Forstgebiete am besten sind, da sie ja selten von den Eigentümern besucht werden und es immer Wege und Rodungsplätze gibt. Leider gibt es dort kein Wasser und wenig Aussicht, also sind es eher Notplätze.

Wir werden auch immer mutiger wenn es um die Besetzung eines Platzes geht, hatten wir Anfangs nur auf frei zugänglichen Stellen campiert, öffnen wir nun Zäune.

Den schönsten Platz, unsere grosse Liebe, finden wir am Fusse des Vulkanes Llaima.

(Hier muss ich einfügen, wir fahren nicht nur als Touristen rum sondern wir suchen intensiv nach einem Grundstück zum kaufen, und haben zig besichtigungs Termine)

Ein Grundstück liegt laut Beschreibung am Fusse des Vulkan Llaima, am nächsten Tag ist der Termin, also, denken wir, ist es schön wenn wir am Abend vorher schon in der Nähe sind, dann ist es nicht so stressig. Wir fahren in die ungefähre angegebene Richtung, zum Vulkan, dann nehmen wir aber eine andere Strasse als uns jemand sagt, wir  holpern die Staubstrasse den Berg hoch und höher, es wird etwas flacher und offener. Weiden säumen den Weg und am Rand überhängen grosse Kirschbäume unser Auto. Und dann ist es eine ganz plötzliche Magie, wir halten an, träumen aus dem Fenster, der Motor läuft, ein Haus schimmert von weiter oben durch die Büsche. Wir sollten doch weiter, einen Platz suchen, hier gehts doch nicht, da ist ein Haus, die Weiden… doch wir stehn immer noch: Einer steigt aus und pflückt Kirschen, ein Gefühl von Heimat liegt überallem.

Wir rucken uns los, fahren weiter, wir müssen ja noch einen Schlafplatz finden, der Weg wird immer enger und wir kommen in ein Lavafeld, voller schroffer Steine dünnem Wald und Kargheit.

Nein, das ist nicht gut hier weiter zu fahren, wir drehen um, sind bald wieder bei den Kirschbäumen…naja wir können ja wenigstens noch ein paar Kirschen essen, bevor wir weiter suchen…

Kirschen wie im Wunderland, alte Sorten, die wir nie gesehen, von einer Süsse und Aroma die verzaubern, wie alles hier.

Wir laufen hin und her. Entdecken, alles ist verlassen, das Haus, durch die Büsche schimmerte es bewohnt, steht schon lange leer.

Wir essen und pflücken. Da; ein Brunnen mit glitzerdem Wasser; weich und wohlschmeckend. Ein Lindenbaum in voller Blüte; gross, riessig gross. Wir wollen bleiben, bleiben, bleiben.

Es gibt gegenüber dem Brunnen unter dem Lindenbaum einen Platz; eingezäunt mit Holz, flach und grossgenug… aber es ist auch ein Durchgang und es gibt Kühe hier, also gibt es auch Leute, hmmm…

Es ist zu Schön! Wir nehmen diesen Ort! Unter dem Lindenbaum finden zwei Zelte platz, das Auto daneben, gegenüber das Feuer. Das ganze ist wie ein Sattel geformt und wir blicken weit gegen Westen und auf die andere Seite zum Sollipulli. (Ein schlafender Vulkan, letzter Ausbruch ca.1240)

Ein wunderschöner Abendhimmel. Voller romantischer Stimmung legen wir uns unter den Lindenbaum und hören in die Nacht hinein.