Olmuè/Chile, Februar 2016

 

Nach einem halben Jahr in Chile finden wir, wir sind wir eigentlich keine Touristen mehr. Wir haben eine etwas tiefere Einsicht in Land und Leute bekommen, Lebensrealitaeten oekonomischer und gesellschaftlicher Natur kennengelernt und vor allem hier gelebt. Das Land eingeatmet.

 

Chile ist unglaublich schön. Eine kalte, staubige Schönheit da, wo die Multis nicht genügend Beute finden.

Zu den Füssen des Vulkanes Llaima (sprich Jaima) haben wir den Ort entdeckt, der uns allen ins Herz gegangen ist, mit an die hundert alten Kirschbäumen, Sorten die es vielleicht nur noch dort gibt, grade zu dieser Zeit Anfang Januar reif und, wie ein Nachbar sagt, „las mejores del planeta“ was nicht übertrieben ist. Eine sanfte Südhanglage(die Sonne im Norden) …mit Wasserquellen, gespeist vom Sockel des Vulkans, deren Wasser sich im Mund fast überirdisch, immateriell anfühlt, und mit Aschenstaub, den kein Regenguss länger binden kann.

Ein Ort dennoch zum Niederknien, alte Kulturlandschaft, seit über vierzig Jahren verlassen, mit einer großen Vielfalt von Pflanzen , altem nativen Wald, reichlich Wasser, wunderschönem Panorama in einer sagenhaft günstigen Lage, von den häufigen Vulkanausbrüchen jedes mal verschont…und nicht zu kaufen.

Nach der Entdeckung dieses Ortes fühlen wir, es gibt nichts Besseres mehr zu entdecken in Chile, dass wir kreuz und quer bereist haben, besonders im nahen Süden zwischen Temuco und Chiloe. Zumindest für uns, in unserem Zeitfenster, ist dieser Ort unser Ort geworden, ein Sehnsuchtsort.

Nun sitzen wir grade zwecks Visumsverlängerung in Argentinien, wo auch unser Ford seit drei Monaten auf die Reparatur wartet. Und nein, er ist noch nicht fertig, trotz Herbeischaffung von Ersatzteilen aus Chile; Öl und Wasser mischen sich im Motor, der Mechaniker vermutet Risse im Zylinderblock, der allerdings schon überarbeitet ist….was an der Geschichte dran ist, weiß nur der Mechaniker, ein netter Kerl, der drei Monate das Reparieren vor sich hergeschoben hat, weil, wie er sagt, die Ersatzteile zum Teil falsch geliefert wurden.

 

Der Import von Ersatzteilen läuft nach dem Regierungswechsel Richtung Kapitalismus in Argentinien zwar an, aber schleppend. Davor war er verboten.

Also sitzen wir grade in einer Cabana ausserhalb von San Rafael, zu fuenft zum Glueck, die Grossen haben ihr Visum in Chile beim Auslaenderamt verlaengert, 100 Dollar pro Person. Wir warten aufs Auto….

Ohne Auto ist es hier ziemlich langweilig, das Kosten – Spaß – Verhältnis leidet sehr. Wir haben uns deshalb bei workaway als workawayer gemeldet, die Arbeit im Tausch mit Kost und Logis anbieten. Es haben sich auch Leute aus der Nähe von San Rafael gemeldet, Engländer, die bereit wären uns fünf unterzubringen, allerdings für ein sehr anspruchsvolles Arbeitsprojekt, dass wir für Kost und Logis allein nicht machen würden. Wir sagen also die Arbeit ab, lernen sie dann trotzdem kennen. Kelly und Adrian.

Es stellt sich heraus, dass das Projekt weniger anspruchsvoll gedacht war als es auf dem Katalogfoto aussah, aber eigentlich ist es auch schön, dass wir die beiden ohne Nutzinteressen kennenlernen. Sie laden uns zum Lasagneessen ein, wo wir auch einen weiteren Freund, Aziz, kennenlernen und bis Mitternacht über Weltpolitik und Bildung diskutieren. Das tut gut und wir freuen uns schon ein bisschen über all die unerwarteten Folgen unserer Autopanne.