»Nehmt hin die Welt!« rief Zeus von seinen Höhen
Den Menschen zu. »Nehmt, sie soll euer sein!
Euch schenk ich sie zum Erb und ewgen Lehen –
Doch teilt euch brüderlich darein!«

 

Friedrich Schiller, Die Teilung der Erde

 

Unser italienischer Freund Paolo, von Beruf Geometer und Inhaber einer kleinen Baufirma, erzählte uns grade Folgendes:

Vor einiger Zeit war er zweimal nach Angola gereist um dort Möglichkeiten für ein Bauprojekt zu erkunden. Um sein Visum zu erhalten, musste er jeweils zweimal aus Norditalien persönlich bei der angolanischen Botschaft in Rom vorstellig werden. Einmal, um einen Visumsantrag abzuholen, das zweite Mal, um den Antrag in persona einzureichen. Für das Visum musste er neben verschiedenen Impfungen auch nachweisen, dass er über ausreichendes Vermögen verfüge um während seines Aufenthaltes täglich auf 200 – 300 Euro zugreifen zu können. In Luanda angekommen, nahm er das billigste Hotel, das er finden konnte. Er zahlte 200 Euro pro Nacht.

Nach seinem zweiten Besuch in Angola wusste er, dass er sich ein Projekt in Afrika nicht würde leisten können. Auch andere afrikanische Länder, so fügte er hinzu, die wie Angola über Bodenschätze wie Öl und Diamanten verfügten, hätten so hohe finanzielle Einreise – und Aufenthaltshürden, dass nur finanzkräftiges Publikum das Land bereisen und für Geschäfte erschließen könne. Selbstverständlich lebe der Großteil der einheimischen Bevölkerung in den allseits bekannten prekären Verhältnissen.

Vor Jahren hatte mir eine ebenso reiche wie reisefreudige Freundin erzählt, Angola gelte unter Insidern wegen seiner überwältigenden Natur und Landschaft, seiner artenreichen Fauna und Flora als eines der schönsten Länder der Welt.

Wir sind nun also im auch schönen Italien und beschäftigen uns mal wieder mit den Möglichkeiten des hiesigen Bauens und Lebens. Ein Makler, der uns ein paar sehr günstige Ruinen zeigte, fasste die Situation in Italien so zusammen: „Die Bürokratie hier ist der Wahnsinn. Zum Glück ist Italien ein so schönes Land, sonst würde schon lange niemand mehr hier wohnen wollen.“

Das Leben in Italien ist teuer. Etwa ein drittel teurer als auf Mallorca, so unser aktueller Vergleich. Etwa doppelt so teuer wie in Portugal. Hier zu leben, muss man sich eben leisten können. Dafür ist es aber auch innerhalb Europas immer noch in vielerlei Hinsicht eine Insel der Seligen: Wunderbare Natur, großartiges Klima, viel Wasser, bestes Essen, nette Menschen, Kunst und Kultur wie kaum sonst irgendwo, keine AKWs….man versteht, was Goethe seine italienische Reise bedeutet hat.

Eine Insel der Seligen…

In den letzten Jahren allerdings machte zum Beispiel die Lombardei von sich reden durch die erschreckend hohe Suizidrate dort ansässiger Unternehmer…

Als wir in Chile waren, starb übrigens der reiche und berühmte Unternehmer Douglas Tomkins an Unterkühlung, nach einem Kajakunfall auf einem südchilenischen See. Der Gründer von Esprit und The North Face hatte dort riesige Ländereien zusammengekauft und in den berühmten Naturpark Pumalin umgewidmet. Wohl wissend, wie wenig in Chile die Natur gilt und wie alles auf Ausbeutung aus ist, blieb der Park privat. Menschen dürfen zum Gucken auch mal vorbeikommen, doch das meiste ist Wildnis. Für Tomkins war das größte Problem der Menschheit die Überbevölkerung. Ich glaube, in seinem Herzen war er Misanthrop. Ein Misanthrop mit Angst vor Überbevölkerung, der einen Naturpark einrichtet in dem niemand wohnen darf.

Von Südamerika nach Europa kommend, fügen sich allmählich diese Impressionen zu einem größeren Bild. Die Teilung der Erde:

Gegenden von großer Schönheit, mit intakter Natur und vor allem viel Wasser auf der einen Seite, auf der anderen Seite unvorstellbare Flächen, die durch die industrielle Land – und Forstwirtschaft, sowie durch Minen und Ölförderung innerhalb kürzester Zeit zur Wüste werden. Die Verwüstungen der durch diese Land – und Forstwirtschaft ausgelösten klimatischen Katastrophen werden seltsamerweise fast völlig ausgeblendet.

(Und der für die offensichtlichen Klimaveränderungen allein verantwortlich gemachte CO² – Ausstoß ist meiner Meinung nach vor allem eine Ablenkung für diejenigen, die lieber Fernsehen gucken als draußen herumzulaufen und die Augen aufzumachen, anscheinend der Großteil der westlichen Welt…)

Auf der einen Seite menschliche Arbeitsameisen, die den Betrieb am Laufen halten und all das großteils überflüssige Zeug konsumieren (wollen), für das Wälder gerodet und Andengletscher abgeschmolzen werden und die mit Tittytainment (Zbiegniew Brzezinski ) befriedigt und mit Game of Thrones auf ihre eigene Zukunft vorbereitet werden.

Auf der anderen Seite diejenigen, die sich mit Hilfe des so generierten Geldes eine Eintrittskarte für die Inseln der Seligen leisten können. Die sich eigenes Wasser leisten können. Und noch mehr Konsum. Erinnert an die schicke Arche Noah, die Roland Emmerich in „2012“ in die Zukunft schiesst.

Überhaupt. Hollywood. Es ist alles schon da. Alles definiert. Das Menetekel steht schon lange an die Wand geschrieben. Wir halten es für Unterhaltung, nicht alltagsrelevant. Bourne Identity.

Spätestens jetzt höre ich den Leser denken: „Aha, sie ist eine von diesen Verschwörungstheoretikern.“ Dabei habe ich doch noch gar nichts über Chemtrails, 9/11 und die Neue Weltordnung gesagt!!!

Ich wollte nur ganz polemisch sagen: Augen auf.

Ich frage mich warum das Leben im grünen Italien so teuer und im ausgedörrten Portugal so (verhältnismäßig) billig ist. Warum das Leben in Chile entweder bedeutet, mit 300 Euro Einkommen im Monat zu überleben oder sich ein Studium für 450 Euro im Monat leisten zu können. Warum in man Bahia auf der Straße dreieinhalb Stunden für 60 km von Arrail nach Caraiva braucht und unser Nachbar seine Partygäste mit einem Hubschrauber-Shuttle dort einfliegen lassen kann. Warum wir immer nur afrikanische Armut gezeigt bekommen, die an unseren Grenzzäunen klebt? Warum unser öffentliches Trinkwasser gechlort und fluoriert wird (Standard z.B. in Frankreich, USA, Chile) und wir Quellwasser nur noch kaufen können? Warum Länder mit Krieg überzogen und Zivilgesellschaften zerstört werden und warum drei Freihandelsabkommen, ja, mit den USA, weltweit einundfünfzig Länder zu Handlangern von Großkonzernen machen? …

Das alles ist für jeden sichtbare, erfahrbare Politik. Kein Versehen.

Warum?

Man kann nun z.B. einwenden, dass die angesprochene und heute viel beredete Trennung in arm und reich nichts Neues ist. Historisches Kontinuum eher. Dem stimme ich zu.

Was neu ist, ist Weltvergiftung, Weltzerstörung durch Menschenhand in einem historisch nie gekannten Ausmaß, mit Substanzen aus der Atom -, Biologie- und Chemieküche des 20. Jahrhunderts, mit der wir unseren Alltag und unsere Körper durchdringen, Erdböden und Meere abtöten und unbrauchbar machen, uns nach Bedarf uppen oder downen damit wir weiter funktionieren, uns krank und unfruchtbar machen – wodurch sich rein zufällig die Bevölkerung den schwindenden Ressourcen und bewohnbaren Flächen anpasst– während wir uns suggerieren, dies alles geschehe zu unserem Besten, nur Gentechnik könne die Nahrungsmittelsicherheit garantieren, der Russe oder der Ami sei immer noch böse, wir brauchten unbedingt das neue smartphone, nur Nazis kritisierten die Massenmedien und bla bla bla.

Tja, schlussendlich werden der Platz und die Ressourcen dann knapp auf dieser verwüsteten Erde, aber bitte! doch nicht weil sie per se zu klein für alle ist! Das ist eine Inszenierung.

Und da frage ich mich doch tatsächlich, was unsere Rolle bei dieser Inszenierung ist.

Und was sie sein könnte.

Ein Stichwort hat Schiller schon souffliert: „…doch teilt Euch brüderlich darein!“