Prozessions-Spinner

Damit sind aber nicht wir gemeint, um das gleich zu sagen. Von vorne: wir waren ja zu Beginn unserer Reise in der Provence, es war schön in den Bergen von Vaucluse und schön kalt. Wir machten herrliche kleine Spaziergänge vom Haus weg in die Landschaft. Wir fuhren ins Tal zu den Ockerfelsen von Roussillon.
Ständig sahen wir überall in den Pinien diese riesigen Gespinste wie Zuckerwatte.

In unserer gänzlichen zivilisatorischen Entfremdung fragten wir uns daher ständig: Was steckt dahinter bzw. da drin??? Dann, auf einem Spaziergang, dachten Alduin und ich gleichzeitig, man müsste so ein Gespinst mal auffriemeln um zu sehen, was des Pudels Kern ist. Issi war auch dabei und staunte mit uns nicht schlecht, als wir nach dem Eröffnen mittels Stöckchens ein Gewusel von Raupen darin vorfanden. Da wir das Ganze ziemlich unheimlich fanden, liessen wir es dabei bewenden und zogen uns zurück. Heimgekehrt, erfuhren wir, dass auch Margarita und Odilia das gleiche Experiment gemacht hatten und mussten ziemlich lachen.
Erst hier an der Algarve blieb uns das Lachen vor ein paar Tagen im Hals stecken, als wir erfuhren, mit was für finsteren Mächten wir da angebandelt hatten und welchem Unheil wir da entronnen waren.
Diese Raupen des Prozessionsspinners, einer Nachtfalterart (wie der Name sofort erkennen lässt) bewegen sich wie in einer Prozession fort. Immer eine nach der anderen. Sie sind haarig und bauen in ihr Gespinst diese Haare ein, um Feinde abzuwehren. Und diese Haare haben es in sich. Kommen sie mit der Haut in Berührung, können sie allergische Reaktionen hervorrufen, die bis zu regelrechten Verätzungen reichen. Die Gifthaare bleiben noch mehrere Jahre in der Umwelt aktiv. Sind es im Süden die Gespinste in den Pinien (Pinien-Prozessionsspinner) so verbreitet sich im Norden (also Deutschland) grade der Eichen-Prozessionsspinner, und zwar als regelrechte Plage. Da die Haare schwerste allergische Reaktionen hervorrufen koennen, muss in Wohngebieten jedes Gespint von Leuten in Schutzanzügen vernichtet werden. (intensivere Beschreibung z.B. hier: http://www.dhsu.de/Info/Anti_Stress_Lied/News_aus_deratzende_Raupen/body_news_aus_deratzende_raupen.html )
Denke ich nun an die Pinien in der Provence zurück, und an die Unmengen von Gespinsten, die wie eine reglose Plage in den Bäumen sitzen, dann bin ich natürlich froh, dass wir das nicht direkt zu spüren bekommen haben. Vermutlich war es noch zu früh und kalt (die Gifthaare entwickeln sich erst im Mai bei deutschen Spinnern). Andererseits denke ich mir: was für ein seltsames Bild sozialer Ordnung ist das? Und das breitet sich grade epidemisch aus.