Die Barcelona- Struktur

Fährt man nach Barcelona, mit dem Auto von Frankreich kommend, so begrüßen einen zunächst die in das Hügelland gepferchten Trabantenstädte. Dass sie eigene Namen haben, ist zu vermuten; ansonsten namenlose Urbanisation der Massenmenschhaltung. (Die übrigens vor der Massentierhaltung kam.)
An Balkonen in Armlänge zur Autobahn trocknet Wäsche. Zwischendurch alte Backstein – Fabrikgebäude und ein paar Blechhütten. Abfall. Massige Betontrassen leiten den normal dichten Verkehr halb unterirdisch downtown bis zum Strand, zum Hafen, zum Flughafen und weiter die Küste südwaerts.

Mit unserem VW Bus mit Dachkoffer finden wir beim ersten Stadtbesuch nach gründlichem kreuz – und queren der Innenstadt endlich einen Parkplatz am Strand. Endlich das Meer. Tränen des Glücks bei der Großen. Ein Mann schläft im Schlafsack, junge bis nicht mehr so junge Männer machen Muskeltraining an Geräten, die wie Kinderspielplatz aussehen. Ihre Bewegungen wie Tigern im Käfig, kraftvoll ziellos.
Wir fahren mit dem öffentlichen Bus zur Sagrada Familia, dem Top-must-see von Barcelona. Bestaunen die Touristen, die in typisch Spanischer Manier überladene, fantastisch anmutende berühmte Kathedrale des offensichtlich tief katholischen Antoni Gaudi. Der Gedanke an Innereien drängt sich mir auf. Man (ver)baut noch immer weiter, der Besucherstrom ist geregelt und kontrolliert wie am Flughafen. Wir bleiben draußen.
Und trotten dann im regelmäßigen Straßennetz der Gründerzeit an den Strand zurück. Erschöpfte Abfahrt.

Beim nächsten Ausflug sind wir schon so gewitzt, gleich einen Parkplatz am Strand aufzusuchen, nachdem es keinen beim Picasso-Museum gibt. Für diesen Regentag war Picassos Frühwerk auf dem Plan.
Just eingeparkt am Strand, nähert sich ein gestrenger Parkwächter, notiert wortlos unser Kennzeichen, erklärt auf gut verständlichem Spanisch, das Busse hier nicht parken dürfen und fotografiert abschließend unseren Bus vor dem Schild, das Parkverbot außer für PKWs und Motorräder besagt. Und wo können wir parken? Am Ende der Straße, lautet seine freudlose Antwort.
Am Ende der Straße ist ein Parkhaus, eins von sehr vielen mit maximaler Höhe von 2,10m. WITZIG!
Also streichen wir Picasso.
Und fahren zum Park Güell, noch so einem must-see, wo wir maximal zwei Stunden für 5,80 Euro parken dürfen.

Der Park ist schön, sofern man vor lauter Touristen noch was sieht.
Der profane Gaudi, der hier für seinen industriellen Freund Güell eine regelrechte Siedlung oberhalb der Stadt anlegen sollte, zeigt sich in dem dabei entstandenen Park als freudiger, kreativer, verspielter und geschmackvollerer Gestalter als der sakrale. Hier ist er für mich größer als unten in der Kathedrale. Ein Visionär und Könner, auf jeden Fall outstanding.
Großartig ist auch die Aussicht über die Stadt bis zum Meer. Von hier oben ist die strenge Struktur gut erkennbar, die Barcelona trotz seiner relativen Größe zu einer überschaubaren Stadt macht.

Fuer den dritten, nun endlich sonnigen Ausflug nach Barcelona haben wir das Parkproblem endlich gelöst: Die vier großen Kinder werden in der Stadt abgesetzt und nach 3,5 Stunden wieder abgeholt. Die Helikoptereltern fahren mit Kleinkind inzwischen zum Hafen, finden eine Mole beim Heliport wo man sogar parken darf, laufen in Starkwind und Sonnenschein auf und ab und verbringen die restliche Zeit am Strand bei Castelldefels in Starkwind und Sonnenschein. Um 16 Uhr werden vier glückliche, eislutschende Jugendliche in der City eingesammelt und dürfen als kleine Gegenleistung kochen.
Ein durch und durch erfolgreicher Tag.